Peinliche Planungen


Wie in den letzten 5 Jahrzehnten versucht wurde die Verkehrssituation auf der B 30 zwischen Baindt und Biberach/Riß zu verbessern:

 

 


Ausbau von Ortsdurchfahrten mit erheblichem Aufwand

Bereits in den 1950er Jahren war absehbar, dass zwischen Baindt und Biberach/Riß langfristig Ortsumgehungen notwendig sind. Die Gemeinde Gaisbeuren stellte deshalb um 1958 im Rahmen der Flurbereinigung einen Antrag auf Ausweisung einer Trasse für die Ortsumgehungen Enzisreute und Gaisbeuren. Der Antrag wurde abgelehnt, da die Behörden sich sicher waren, dass hier nichts benötigt werde.

 
So wurden die Umgehungen mit der Ertüchtigung der Bundesstraße nicht gebaut. In 1950-1970er Jahren wurde die Bundesstraße 30 zwischen Ulm und Friedrichshafen auf vielen Streckenabschnitten verbreitert und auf Teilabschnitten verlegt. Von Ulm bis zur südlichen Anschlussstelle Hochdorf wurde die B 30 sogar komplett neu gebaut. Auf der Gemarkung von Bad Waldsee entstand lediglich 1961 - als einzige Maßnahme - die Ortsumgehung Bad Waldsee. Hingegen wurden die Ortsdurchfahrten Enzisreute, Gaisbeuren, Mattenhaus und Englerts mit einem teils erheblichen Aufwand ausgebaut, obwohl es noch ohne größere Probleme möglich gewesen wäre um die Orte mit einem ähnlichen Aufwand herumzubauen. Heute hat man sowohl erhebliche städtebauliche Schäden, als auch entsprechende Verkehrsprobleme. Die Ortsumgehungen sind immer noch notwendig und müssen mit einem größeren Radius um die gewachsenen Orte oder in einen Tunnel gelegt werden, so dass heute entweder ein höherer Landschaftsverbrauch oder enorme Kosten notwendig sind.

 

 


Streichung der A 89

Noch bis Ende der 1970er Jahre sollte die Autobahn 89 (A 89) die B 30 ersetzen und von Günzburg über Ulm an der Donau, Biberach an der Riß und Ravensburg nach Friedrichshafen am Bodensee führen. Obwohl schon damals bekannt war, dass Verkehrsbeziehungen historisch gewachsen sind und sich nicht von heute auf morgen ändern lassen, die B 30 eine historische Hauptverkehrsachse ist und von Ulm bis Friedrichshafen sich eine große Stadt an die Andere reiht, passte dies dem für die Region zuständigen Verkehrsplaner nicht, der lieber die A 7 im nicht so stark besiedelten Illertal und die A 96 im ebenfalls nicht so stark besiedelten Allgäu verwirklicht sehen wollte. Beide Autobahnen wären dennoch gebaut worden. Mit dem Bundesverkehrswegeplan 1980 lieferte die Politik dann das passende Streichungsprogramm. Die A 89 wurde aus Gründen der "Qualitätsverbesserung" gestrichen und bereits fertiggestellte und noch im Bau befindliche Abschnitte in B 30 umbenannt. Der Abschnitt von Baindt bis Biberach/Riß wurde ebenfalls aus Gründen der "Qualitätsverbesserung" als einziger Abschnitt massiv abgestuft. Statt Ortsumgehungen sollte die B 30 nun durch die Orte Hebershaus, Englerts, Mattenhaus, Gaisbeuren und Enzisreute autobahnähnlich ausgebaut werden - bei Oberessendorf war die B 30 auf der westlichen Seite noch nicht bebaut. Im Weg stehende Häuser und Höfe sollten abgerissen werden. Diese Pläne wurden erst mit dem Bundesverkehrswegeplan 2003 aufgegeben. Seit dem sind wieder Umgehungen vorgesehen. Heute erfüllt die B 30 immer noch Aufgaben einer Autobahn, ist aber keine mehr, kann ihre Aufgabe als oberzentrale Achse nicht erfüllen und gilt nach dem Stand der Technik als "nicht vertretbar."

 

 


Streichung der A 85

Noch bis Ende der 70er Jahre sollte die A 85 von Stuttgart nach Ravensburg führen. Wie bei der A 89, wurde auch die A 85 mit dem Bundesverkehrswegeplan 1980 aus Gründen der "Qualitätsverbesserung" gestrichen. Heute muss die B 30 Verkehr des Bodenseekreises sowie der Landkreise Ravensburg und Biberach zur Metropolregion Stuttgart aufnehmen.

 

 


Ampel in Gaisbeuren zur Verbesserung der Verkehrssituation

Auf 1980 gehen die Überlegungen auf eine Ampelanlage in der Ortsmitte von Gaisbeuren an der Einmündung der Landstraße 285 in die Bundesstraße 30 zurück. Schon damals wurde beklagt, dass die Wartezeiten an der Einmündung zu lange seien. Lange Zeit hat sich nichts getan. Statt dessen gesellte sich zur Fußgängerampel in der Ortsmitte, am nördlichen Ortsende eine Lückenampel hinzu, um Lkw und Busse die Einfahrt aus dem Gewerbegebiet zu erleichtern. 1996 beklagte dann Bürgermeister Rudolf Forcher, dass er minutenlang warten müsse, bis er einfahren könne. Deshalb müsse man sich wieder Gedanken über die Ampel machen. So beschloss allerdings erst im Jahr 2001 der Ortschaftsrat Gaisbeuren die Beantragung einer Ampel. Aber erst mit der Zustimmung des Gemeinderats im Jahr 2002 wurde eine Lückenampel beim Straßenbauamt beantragt. Schließlich wurde diese als Sparversion Ende 2003 installiert und mit den anderen Ampeln synchronisiert, so dass nach wie vor der Durchgangsverkehr auf der B 30 am besten fließen sollte. Mit der Inbetriebnahme versprach das Straßenbauamt, dass die Warterei nun beendet sei. Statt nun zu jeder Zeit eine Erleichterung zu bringen, staute sich der Verkehr auf der B 30 noch heftiger, auch der Verkehr auf der Landstraße vor der Einmündung staute sich nach wie vor. Ebenfalls verlängerten sich die Wartezeiten an der Fußgängerampel erheblich und stehende Autos vor den Fenstern der Anwohner sorgten für wortwörtlich dicke Luft in den Wohnungen. Da die Ampel in einer Sparversion installiert wurde, kam es häufig zu gefährlichen Situationen und zahlreichen Unfällen. Bereits eine Woche nach der Inbetriebnahme ereignete sich der erste große Unfall mit vier beteiligten Fahrzeugen, zwei Verletzten und 40.000 Euro Sachschaden. Denn die Ampel gab in zwei sich kreuzenden Richtungen gleichzeitig Grün. 2005 wurde die Ampel bei einem Unfall umgefahren und zu Boden geschleudert. So lange sie beschädigt war, ereignete sich kein weiterer Unfall. So ergab sich, dass die Anlage in den folgenden Jahren mehrmals nachgerüstet wurde. Doch bis zur letzten Nachrüstung im Jahr 2010 gab sie nach wie vor in zwei sich kreuzenden Richtungen gleichzeitig Grün.

 

 


3-streifiger Ausbau als Zwischenlösung

Obwohl seit langem klar ist, dass die B 30 langfristig von Ulm bis Friedrichshafen autobahnähnlich ausgebaut werden soll, kam man im Landkreis Biberach Mitte der 1990er Jahre auf die Idee die B 30 zwischen Oberessendorf und Biberach-Jordanbad als Zwischenlösung 3-streifig auszubauen. Das Ziel war Überholmöglichkeiten zu schaffen, da die Bundesstraße aufgrund von zahlreichen schweren Unfällen mit einem Überholverbot belegt werden musste. Folglich begannen die Planungen, welche seit dem nur schwerfällig voran gehen. Immer wieder kommt es zu jahrelangen Stillständen. Dennoch ergriff der Biberacher Kreistag im Jahr 2003 nicht die Chance, die B 30 von Oberessendorf bis Biberach autobahnähnlich ausbauen zu lassen, so wie es der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2003 vorsah. Der Kreistag stimmte dagegen und entschied sich erneut für den 3-streifigen Ausbau als Zwischenlösung. So wurde der in greifbare Nähe gerückte autobahnähnliche Ausbau im Jahr 2004 auch wieder in den "Weiteren Bedarf" abgestuft. Bis Anfang 2015 waren erst fünf der sechs 3-streifigen Bauabschnitte verwirklicht. Nach der mehrfachen Verschiebung der endgültigen Fertigstellung wird nun 2016 angestrebt, bis die wechselseitigen Überholstreifen auf einer Länge von 7,84 km nach rund 20 Jahren fertiggestellt sind.

 
Aber eine wirkliche Verbesserung ist der 3-streifige Ausbau nicht. Aufgrund des für eine Bundesstraße sehr hohen Schwerverkehrsaufkommens und des zusätzlich hohen motorisierten Individualverkehrs kommt es zu erheblichen Pulkbildungen. Die Länge der wechselseitigen Überholstreifen ist so kurz, dass nur wenige Fahrzeuge überholen können. Im ungünstigsten Fall sogar gar nicht. Anschließend hängen sie in der nächsten Schlange hinter dem nächsten Lkw.

 
Aufgrund der Kürze der 3-streifigen Abschnitte kommt es am Ende der 3-streifigen Abschnitte zudem häufig zu gefährlichen Situationen. Zudem wurde am Fahrbahnquerschnitt gespart. Der für den 3-streifigen Ausbau auf der B 30 verwendete Regelquerschnitt wurde ursprünglich für schwach befahrene Landestraßen entwickelt, um vor allem an Steigungsstrecken es dem schnellen Verkehr zu ermöglichen einzelne langsame Lkw sicher zu überholen. Der richtige 3-streifige Querschnitt hat zwischen den Fahrtrichtungen eine ein Meter breite, grün markierte Sperrfläche. Damit sollen ein optische Trennung erfolgen, die gefährliche Situationen minimiert.

 
Mit dem 3-streifigen Ausbau wurde bisher kein Problem wirklich befriedigend gelöst. Daraus hat man offensichtlich nichts gelernt. Die Planungen gehen noch weiter. Nach dem 3-streifigen Ausbau im Landkreis Biberach zwischen Oberessendorf und Biberach-Jordanbad, strebt die grün-rote Landesregierung nun auch im Landkreis Ravensburg diese Zwischenlösung südlich von Oberessendorf zwischen den Orten Oberessendorf, Englerts und Mattenhaus.

 


< Zurück Weiter >