Peinliche Planungen

Wie in den letzten 6 Jahrzehnten versucht wurde die Verkehrssituation auf der B 30 zwischen Baindt und Biberach/Riß zu verbessern:

 


Ausbau von Ortsdurchfahrten mit erheblichem Aufwand - statt Ortsumfahrungen

Bereits in den 1950er Jahren war absehbar, dass zwischen Baindt und Biberach/Riß langfristig Ortsumgehungen notwendig sind. Die Gemeinde Gaisbeuren stellte um ca. 1955-1960 im Rahmen einer Flurbereinigung einen Antrag auf Ausweisung einer Trasse für die Ortsumgehungen Enzisreute und Gaisbeuren. Der Antrag wurde abgelehnt.

So wurden die Umgehungen mit der Ertüchtigung der Bundesstraße nicht gebaut. In den 1950er bis 1970er Jahren wurde die Bundesstraße 30 zwischen Ulm und Friedrichshafen auf vielen Streckenabschnitten verbreitert und auf Teilabschnitten verlegt. Von Ulm bis zur südlichen Anschlussstelle Hochdorf wurde die B 30 komplett neu gebaut. Auf der Gemarkung von Bad Waldsee entstand lediglich 1961 - als einzige Maßnahme - die Ortsumgehung Bad Waldsee.

Hingegen wurden die Ortsdurchfahrten Enzisreute, Gaisbeuren, Mattenhaus und Englerts mit einem teils erheblichen Aufwand ausgebaut, obwohl es noch ohne größere Probleme möglich gewesen wäre um die Orte mit einem ähnlichen Aufwand herumzubauen. Heute bestehen sowohl städtebauliche Schäden, als auch entsprechende Verkehrsprobleme. Die Ortsumgehungen sind immer noch notwendig und müssen mit einem größeren Radius um die gewachsenen Orte oder in einen Tunnel gelegt werden.

 


Streichung der A 89

Noch bis Ende der 1970er Jahre sollte die Autobahn 89 (A 89) die B 30 ersetzen und von Günzburg über Ulm an der Donau, Biberach an der Riß und Ravensburg nach Friedrichshafen am Bodensee führen. Obwohl schon damals bekannt war, dass Verkehrsbeziehungen historisch gewachsen sind und sich nicht von heute auf morgen ändern, die B 30 eine historische Hauptverkehrsachse ist und von Ulm bis Friedrichshafen sich eine große Stadt an die andere reiht, passte dies dem für die Region zuständigen Verkehrsplaner nicht, der lieber die A 7 im nicht so stark besiedelten Illertal und die A 96 im ebenfalls nicht so stark besiedelten Allgäu verwirklicht sehen wollte. Beide Autobahnen wären dennoch gebaut worden. Mit dem Bundesverkehrswegeplan 1980 lieferte die Politik dann das passende Streichungsprogramm. Die A 89 wurde aus Gründen der "Qualitätsverbesserung" gestrichen und bereits fertiggestellte und noch im Bau befindliche Abschnitte in B 30 umbenannt. Der Abschnitt von Baindt bis Biberach/Riß wurde ebenfalls aus Gründen der "Qualitätsverbesserung" als einziger Abschnitt der B 30 massiv abgestuft. Statt Ortsumgehungen sollte die B 30 nun durch die Orte Hebershaus, Schneiderbenes, Englerts, Mattenhaus, Gaisbeuren und Enzisreute autobahnähnlich ausgebaut werden - bei Oberessendorf war die B 30 auf der westlichen Seite noch nicht bebaut. Im Weg stehende Häuser und Höfe sollten abgerissen werden. Diese Pläne wurden erst mit dem Bundesverkehrswegeplan 2003 aufgegeben. Seit dem sind wieder Umgehungen vorgesehen. Heute erfüllt die B 30 immer noch Aufgaben einer Autobahn, ist aber keine mehr, kann ihre Aufgabe als oberzentrale Achse nicht erfüllen und gilt nach dem Stand der Technik als "nicht vertretbar."

 


Streichung der A 85

Noch bis Ende der 1970er Jahre sollte eine Autobahn 85 (A 85) von Stuttgart nach Ravensburg verlaufen. Wie bei der A 89, wurde auch die A 85 mit dem Bundesverkehrswegeplan 1980 aus Gründen der "Qualitätsverbesserung" gestrichen. Heute nimmt die B 30 den Verkehr des Bodenseekreises sowie des Landkreises Ravensburg zur Metropolregion Stuttgart auf.

 


Ampeln in Gaisbeuren zur Verbesserung der Verkehrssituation

Auf das Jahr 1980 gehen die Überlegungen auf eine Ampelanlage in der Ortsmitte von Gaisbeuren an der Einmündung der Landesstraße 285 in die Bundesstraße 30 zurück. Schon damals wurde beklagt, dass die Wartezeiten an der Einmündung zu lange seien.

Lange Zeit hat sich nichts getan. Stattdessen gesellte sich zur Fußgängerampel aus den 1960er Jahren in der Ortsmitte, am nördlichen Ortsende, eine Lückenampel hinzu, um Lkw und Busse die Einfahrt aus dem Gewerbegebiet zu erleichtern.

1996 beklagte dann der ehemalige Bad Waldseer Bürgermeister Rudolf Forcher, dass er minutenlang warten müsse, bis er einfahren könne. Deshalb müsse man sich wieder Gedanken über die Ampel machen. So beschloss der Ortschaftsrat Gaisbeuren die Beantragung einer Ampel, allerdings erst im Jahr 2001. Der Gemeinderat Bad Waldsee brauchte ein Jahr Zeit, um der Ampel im Jahr 2002 zuzustimmen. Eine Lückenampel wurde beim Straßenbauamt Ravensburg beantragt.

Das Straßenbauamt Ravensburg sah sich außer Stande die Ampel zeitnah zu installieren. Schließlich wurde eine Sparversion Ende des Jahres 2003 installiert und mit den anderen Ampeln synchronisiert, so dass nach wie vor der Durchgangsverkehr auf der B 30 am besten fließen sollte.

Mit der Inbetriebnahme versprach das Straßenbauamt, dass die Warterei beendet sei. Statt nun zu jeder Zeit eine Erleichterung zu bringen, staute sich der Verkehr auf der B 30 noch heftiger. Auch der Verkehr auf der Landesstraße vor der Einmündung staute sich nach wie vor. Ebenfalls verlängerten sich die Wartezeiten an der Fußgängerampel erheblich und stehende Autos vor den Fenstern der Anwohner sorgten für schlechte Luft in den Wohnungen.

Da die Ampel in einer Sparversion installiert wurde, kam es häufig zu gefährlichen Situationen und zahlreichen Unfällen. Bereits eine Woche nach der Inbetriebnahme ereignete sich der erste große Unfall mit vier beteiligten Fahrzeugen, zwei Verletzten und 40.000 Euro Sachschaden. Denn die Ampel gab in zwei sich kreuzenden Richtungen gleichzeitig Grün.

Gehandelt wurde zunächst nicht: 2005 wurde die Ampel bei einem Unfall umgefahren und zu Boden geschleudert. So lange sie beschädigt war, ereignete sich kein weiterer Unfall. So ergab sich, dass die Anlage in den folgenden Jahren mehrmals nachgerüstet wurde. Doch bis zur letzten Nachrüstung im Jahr 2010 gab sie nach wie vor in zwei sich kreuzenden Richtungen gleichzeitig Grün.

Im Laufe der folgenden Jahre verschärfte sich die Stausituation mit zunehmender Verkehrsmenge. Die Ampelschaltungen wurden mehrmals ohne befriedigendes Ergebnis geändert. So beschloss die Stadt Bad Waldsee gemeinsam mit dem Landratsamt Ravensburg die Situation zu überprüfen. Im Jahr 2016 wurde ein Konzept vorgestellt. In der Folge wurden im Jahr 2017 die Ampelschaltungen zwei Mal geändert. Dabei wurden die Grünphasen um einige Sekunden für den Verkehr auf der B 30 verlängert und die Ampeln nochmals besser aufeinander abgestimmt. Unterbrochen wird der abgestimmte Verkehrsfluss seit dem nur noch dann, wenn die Fußgängerampel gedrückt wird. Das Landrastamt beklagte: „Das gesamte Verkehrssystem auf der B 30 im genannten Abschnitt ist sehr hoch belastet und bricht beim kleinsten Problem zusammen. Egal wie gut die Ampeln geschaltet oder welche kleineren Maßnahmen umgesetzt werden.“

Die Verbesserung des Verkehrsflusses auf der B 30 hatte seinen Preis. Es verlängerte sich an allen Einfahrten zur B 30 die Wartezeit, ebenso an der Fußgängerampel. Es bildeten sich lange Rückstaus auf der Landesstraße 285 und teilweise auf der Straße „Am Zettelbach“. Der Verkehr auf der Bundesstraße staute sich weiterhin.

So ließ das Landratsamt Ravensburg im Jahr 2019 an der Landesstraße 285 vor der Einmündung in die B 30 einen verlängerten Abbiegestreifen anbauen, um die Wartezeit auf der Landesstraße zu verkürzen. Weitere Überlegungen sehen eine Verlängerung des Abbiegestreifens auf der B 30 vor, um eine Überstauung des bestehenden Abbiegestreifens vor der Abzweigung zur Landesstraße entgegenzuwirken.

 


3-streifiger Ausbau als Zwischenlösung

Obwohl seit langem klar war, dass die Bundesstraße 30 langfristig von Ulm bis Friedrichshafen autobahnähnlich ausgebaut werden sollte, kam man im Landkreis Biberach Mitte der 1990er Jahre auf die Idee, die B 30 zwischen Oberessendorf und Biberach-Jordanbad als Zwischenlösung 3-streifig (2+1) auszubauen. Das Ziel war Überholmöglichkeiten zu schaffen, da die Bundesstraße aufgrund von zahlreichen schweren Unfällen mit einem Überholverbot belegt werden musste.
Folglich begannen die Planungen, welche nur schwerfällig vorangingen und schließlich vor der Fertigstellung eingestellt wurden. In der Folge ist es in dreißig Jahren nicht gelungen einen dritten Fahrstreifen auf einer Länge von lediglich 7,84 km anzubauen. Das sind weniger als 200 Meter pro Jahr.

Immer wieder kam es zu jahrelangen Stillständen. Dennoch ergriff der Biberacher Kreistag im Jahr 2003 nicht die Chance, die B 30 von Oberessendorf bis Biberach autobahnähnlich ausbauen zu lassen, so wie es der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2003 vorsah. Der Kreistag stimmte dagegen und entschied sich erneut für den 3-streifigen Ausbau als Zwischenlösung. So wurde der in greifbare Nähe gerückte zweibahnige Ausbau im Jahr 2004 im Bedarfsplan lediglich in den „Weiteren Bedarf“ aufgenommen.

Bis Anfang des Jahres 2015 waren erst fünf der sechs geplanten 3-streifigen Bauabschnitte verwirklicht. Nach der mehrfachen Verschiebung der endgültigen Fertigstellung wurde diese schließlich im Jahre 2016 angestrebt, bis die wechselseitigen Überholstreifen auf einer Länge von lediglich 7,84 km fertiggestellt sein sollten.

Dazu kam es nicht. Die Planungen wurden eingestellt. Der letzte noch fehlende Abschnitt zwischen Unteressendorf und Hochdorf wird nicht weiter beplant. Zudem befindet sich der Streckenabschnitt von Oberessendorf bis Hochdorf seit dem Jahr 2016 nicht mehr im Bedarfsplan, sodass gar kein Ausbau mehr zustande kommt.

Eine wirkliche Verbesserung ist der 3-streifige Ausbau ebenfalls nicht. Aufgrund des für eine Bundesstraße sehr hohen Schwerverkehrsaufkommens und des zusätzlich hohen motorisierten Individualverkehrs, kommt es auf der B 30 zu erheblichen Pulkbildungen. Die Länge der wenigen wechselseitigen Überholstreifen ist so kurz, dass nur wenige Fahrzeuge überholen können. Im ungünstigsten Fall sogar gar nicht. Anschließend fahren sie in der nächsten Schlange hinter dem nächsten Lkw.

Aufgrund der Kürze der 3-streifigen Abschnitte kommt es am Ende der 3-streifigen Abschnitte häufig zu gefährlichen Situationen. Bei Hochdorf ist der 3-streifige Ausbau durch zwei Großbrücken unterbrochen. Auf diesen gab es in der Vergangenheit eine Reihe von schwerwiegenden Unfällen.

Zudem wurde am Fahrbahnquerschnitt gespart. Der für den 3-streifigen Ausbau auf der B 30 verwendete Regelquerschnitt wurde ursprünglich für schwach befahrene Landesstraßen entwickelt, um es vor allem an Steigungsstrecken dem schnellen Verkehr zu ermöglichen, einzelne langsame Lkw sicher zu überholen. Der „richtige“ 3-streifige Querschnitt hat zwischen den Fahrtrichtungen eine ein Meter breite, grün markierte Sperrfläche. Damit soll eine optische Trennung erfolgen, die gefährliche Situationen minimiert.

 


< Zurück Weiter >


 

Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2023
Seite erstellt am: 01. Dez. 2009



Aktiv werden

Wir leben in einer Zeit, in der einige Menschen das Gefühl haben, dass die Regierung sie nicht mehr berücksichtigt. Manche Politiker lehnen nur noch den Individualverkehr ab und setzen ausschließlich auf öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder, während andere unkontrolliert den Autobahnverkehr fördern. Diejenigen, die dazwischen liegen, bleiben oft auf der Strecke.

Es ist an der Zeit, dass Politiker, Entscheidungsträger und große Städte den ländlichen Raum nicht mehr vernachlässigen und respektvoller mit dessen Bewohnern umgehen.

Zukunft fördern

Die "Initiative B30" kämpft für nachhaltige Verbesserungen entlang der Bundesstraße 30 von Baindt bis Biberach/Riß in Oberschwaben. Unser Ziel ist es, eine sichere, zukunftsorientierte Infrastruktur zu schaffen, die Mobilität und Lebensqualität fördert, Städte und Wirtschaftsstandorte verbindet und die Region stärkt.

 Unterstützen

Veranstaltung besuchen

Mitglied werden

Spenden

Aktiv für die Menschen, Wirtschaft und Umwelt

Veränderungen im Straßenwesen sind herausfordernd und stoßen auf Vorbehalte und Widerstand. Jede einzelne Änderung erfordert harte Arbeit und Durchsetzungsvermögen. Eine Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist unerlässlich, denn in schwierigen Zeiten zeigt sich, wer wirklich loyal ist.

28

Jahre Efahrung im Verkehrswesen und der Verkehrswegeplanung in Deutschland

14

Jahre aktive Bürgerinnen und Bürger

11700

Briefe und E-Mail geschrieben

1092

Unterstützer. Jetzt auch unterstützen.

Erfolge